Die Schäferei sowie auch die Wollverarbeitung haben auf der Schwäbischen Alb lange Tradition. Insbesondere die Wollverarbeitung hatte in den vergangenen Jahren ihren Stellenwert verloren, da Wolle praktisch „nichts wert“ war. Verschiedene Aktivitäten und Entwicklungen bemühen sich derzeit, dies zu ändern, alte Traditionen wieder aufzugreifen und auch seltene Rassen wieder mehr ins Blickfeld zu rücken. Das auf der Schwäbischen Alb heimische Waldschaf oder das braune Bergschaf, die auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) als stark gefährdet eingestuft werden, sind z.B. solche Rassen.

Barbara Zeppenfeld und Hans-Dieter Hirschle züchten Waldschafe. Barbara Zeppenfeld ist zudem seit der Gründung des Biosphärengebietes Mitglied im Arbeitskreis „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Sie verfügt über langjährige pädagogische Erfahrung. Viele ihrer sozialen und umweltpädagogischen Projekte wurden ausgezeichnet. Demnächst wird ihre ArcheSchäferei als offizielles UN-Dekade Projekt im Rahmen der Dekade Biologische Vielfalt von der UNESCO ausgezeichnet.

Beate Herold hält ebenfalls eine Schafherde, kooperiert u.a. mit dem Freilichtmuseum in Beuren und ist Mitglied einer Handspinngruppe. Die drei Antragsteller haben sich zum Ziel gesetzt, das Wissen um alte gefährdete Rassen und deren Lebensraum zusammenzubringen, in der Bevölkerung zu verbreiten und deren Nutzungsmöglichkeiten zu vermitteln. Hierfür soll ein Akteursnetzwerk aufgebaut werden, welches dazu gemeinsam Bildungsangebote entwickelt. Im Biosphärengebiet gibt es ein hohes Potenzial an Personen, die in der Schäferei oder der Wollverarbeitung tätig sind und für eine Netzwerkarbeit gewonnen werden können. Neue Netzwerkmitglieder sollen innerhalb von Arbeitstreffen angeworben und informiert werden. Für den Aufbau des Netzwerks sowie die Konzipierung erster gemeinsamer Bildungsangebote wird es vier Treffen geben.

Um ein qualitativ hochwertiges und vielseitiges Bildungsangebot zu schaffen, qualifizieren sich die Netzwerkmitglieder durch Fortbildungen und Exkursionen weiter. Sie werden sich z.B. mit dem Filzhandwerk sowie dem Färben von Wolle mit heimischen Färbepflanzen beschäftigen.

Die Netzwerkmitglieder werden gemeinsam ein pädagogisches Konzept entwickeln. Im Jahr 2013 sollen bereits drei Bildungsangebote konzipiert und umgesetzt werden. Die Arbeit des Netzwerks soll über eine Internetseite und einen Flyer beworben werden. Für die gemeinsamen Bildungsangebote werden Geräte zur Wollverarbeitung angeschafft.

Mit den Bildungsangeboten soll eine breite Zielgruppe erreicht werden, die auch Menschen mit Handicaps einschließt. Das Konzept wird sich an den Ideen der Leitprojekte Bildung für nachhaltige Entwicklung im Rahmenkonzept orientieren. Zum einen „Akteure rund um ein Schwerpunktthema vernetzen“ und zum anderen die „Biosphären-Akademie“, die zum Ziel hat, Angebotsebenen vom niederschwelligen Angebot bis hin zur Multiplikatorenschulung zu definieren und etablieren. D.h. dass das Netzwerk nicht nur an Einzelveranstaltungen denkt, sondern auch dauerhaft Menschen gewinnen möchte, die sich für den Erhalt alter Haustierrassen einsetzen.

Eine langfristige Perspektive besteht darin, das Netzwerk und die Angebote auf weitere alte Nutztierrassen auszuweiten.

Ein derartiges Bildungsprojekt existiert im Bereich „Alte Haustierrassen“ bisher bundesweit noch nicht und hätte somit Vorbild-Charakter.

Barbara Zeppenfeld, Beate Herold, Hans-Dieter Hirschle
Zum Kreuzle 2
72770 Reutlingen