Der Bereich des Wildgeheges und Umgebung am Markwasen weist einen großen Bestand mit sehr alten Bäumen, darunter zahlreiche über 300 Jahre alte Eichen, auf. Im eingezäunten Bereich des Wildgeheges sind in großem Umfang typische Altersstrukturen wie absterbende Äste, große Faulstellen und Höhlungen ausgebildet, wie sie aus Verkehrssicherungsgründen im Wirtschaftswald nicht geduldet werden können.

Im Rahmen eines Förderprojekts im Zeitraum 2013 und 2014 wurde die Holzkäferfauna im Bereich des Wildgeheges durch einen Experten untersucht. Die Erfassung ergab eine sehr große naturschutzfachliche Bedeutung, insbesondere für Arten ungenutzter „Urwälder“. Mit 243 Holzkäferarten konnte eine stark überdurchschnittliche Artenvielfalt festgestellt werden, darunter auch sehr seltene, nur von weni-gen Fundorten in Baden-Württemberg gemeldete Holzkäfer. 29 Arten der Roten Liste der gefährdeten Arten wurden erfasst. Artenschutzrechtlich besonders zu berücksichtigen ist der Juchtenkäfer, der als prioritäre Art der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie geführt wird und streng geschützt ist. Das auf dieser Grundlage durch den Experten angenommene Artenspektrum umfasst über 300 xylobionte (Holz bewohnende) Käferarten. Damit nimmt der Altbaumbestand beim Markwasen bezüglich der Biodiversität landesweit einen Spitzenplatz ein und trägt erheblich zur Artenvielfalt im Biosphärengebiet bei.

Die Untersuchung ergab auch, dass für den langfristigen Erhalt der Holzkäferarten die Freistellung und Förderung von eingewachsenen, früher im freien Stand aufgewachsenen Bäumen, erforderlich ist sowie eine gezielte Nachpflanzung von zukünftigen Habitatbäumen in einem lichten, weitständigen Waldumfeld. Für den Bereich außerhalb des Wildgeheges sind Verkehrssicherungsmaßnahmen erforderlich. Das Gebiet wird stark von Erholungssuchenden frequentiert, auch ein Waldkindergarten nutzt zeitweise den attraktiven Wald. Verkehrssicherungsmaßnahmen stehen in der Regel im Konflikt mit dem hier sehr wichtigen naturschutzfachlichen Ziel, Totholz in den Baumkronen von Altbäumen zu entwickeln.

Das beantragte Projekt hat daher zum Ziel, ein abgestimmtes Nutzungs- und Pflegekonzept für das Gebiet des Wildgeheges und Umgebung zu entwickeln. Dabei soll die erforderliche Verkehrssicherheit so gewährleistet werden, dass die naturschutzfachliche Wertigkeit bestmöglich erhalten bleibt. Bei der Maßnahmenplanung sollen auch ggf. auftretende Zielkonflikte mit dem Erhalt und Entwicklung weiterer geschützter Tierarten (u.a. Halsbandschnäpper und Mittelspecht) bearbeitet werden. Weiterhin ist es ein Anliegen, dass dieser ökologisch außerordentlich wertvolle Bereich der Bevölkerung im Rahmen von geeigneten Infrastruktureinrichtungen (z.B. Info-Tafeln, Aussichtspodest etc.) zugänglich gemacht wird. Hierzu ist die Beteiligung der Bürgerschaft, von Vereinen, Schulen und Hochschulen vorgesehen.

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