Der Schwarzspecht (Dryocopus martius) ist die einzige der europäischen Spechtarten, die Großhöhlen in Bäumen anlegt. Neben dem Schwarzspecht nutzen auch über 50 weitere Arten - als „Nachmieter“ – die Bruthöhlen. Beispiele sind Dohle, Hohltaube, Raufußkauz, Baummarder, Hornissen oder Holzkäfer. Daher gilt der Schwarzspecht als wichtige „Schlüsselart" für das Ökosystem Wald. Sein Vorkommen lässt auf eine gute Lebensraumeignung auch für andere Arten des Waldes, insbesondere Bewohner des Alt- und Totholzes, schließen. Artenschutz für den Schwarzspecht reicht daher weit über die Ziele des Schutzes für eine einzelne Art hinaus, vielmehr verfolgt man damit Biotop- und Prozessschutz für den gesamten Wald. Die Siedlungsdichte des Schwarzspechts und der Folgenutzer kann als Hinweis für eine naturschutzkonforme Waldbewirtschaftung gewertet werden.

In den Jahren 2005/06 und ergänzend 2008/09 wurden in den Wäldern des Biosphärengebiets Schwäbische Alb 282 Schwarzspecht-Höhlenbäume kartiert, mit GPS erfasst und dauerhaft markiert. Die Daten wurden an die Forstverwaltung übergeben. Sie sind eine wertvolle Hilfestellung für die Forstwirtschaft, um den komplexen arten- und naturschutzrechtlichen Anforderungen in vollem Umfang gerecht zu werden und um wertvolle Biotopstrukturen langfristig sichern und fördern zu können.

Im beantragten Projekt sind eine aktuelle Kontrolle der Belegung aller damals erfassten Schwarzspechthöhlen sowie die Kartierung neuer Höhlen vorgesehen. Dies ergibt einen Überblick über die Bestandssituation des Schwarzspechts sowie eine Reihe weiterer Vogelarten, die in ihrem Bestand gefährdet sind. Das Untersuchungsgebiet umfasst rund 18.000 ha Waldfläche in den Pflegezonen des Biosphärengebiets im Bereich des öffentlichen Waldes. Aufgrund der Großflächigkeit ist die Untersuchung repräsentativ für das gesamte Biosphärengebiet.

Das Projekt unterstützt eine ökologisch orientierte Forstwirtschaft im Biosphärengebiet bei der Entwicklung nachhaltig wirksamer Artenschutzkonzepte. Es fördert den Erhalt der für die Wälder der Schwäbischen Alb typischen Arten- und Lebensgemeinschaft. Es kann als ein als interdisziplinäres Projekt gesehen werden, da die Belange der Forstwirtschaft und des Naturschutzes zusammengeführt werden. Im Staatswald können die Ergebnisse der Untersuchung in das Alt- und Totholzkonzept von Forst BW integriert werden. Schwarzspecht-Höhlenbäume sind geeignete Ansatzpunkte für die Ausweisung von Schutzflächen im Rahmen des Alt- und Totholz-Konzepts wie Habitatbaumgruppen oder Waldrefugien, die eine wichtige Funktion bei der Vernetzung der Kernzonen des Biosphärengebiets haben.

Zudem leistet das Projekt einen Beitrag zum Monitoring der Entwicklung schutzbedürftiger Arten im Biosphärengebiet. Monitoring ist eine der Pflichtaufgaben in UNESCO-Biosphärenreservaten.

Der Projektantrag ist mit den Kreisforstämtern der Landkreise Reutlingen, Esslingen und Alb-Donau-Kreis abgestimmt.

Deutsche Wildtier Stiftung
Christoph-Probst-Weg 4
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