Im Jahr 2016 förderte das Biosphärengebiet Schwäbische Alb eine Folgeuntersuchung zu den in den Jahren 2005/06 bzw. 2008/09 bereits durchgeführten Erhebungen über die Standorte von Schwarzspechthöhlenbäumen im Landkreis Reutlingen bzw. des Biosphärengebietes. Das Ziel war, eine wertvolle Hilfestellung für die Forstwirtschaft zu geben, um den komplexen arten- und naturschutzrechtlichen Anforderungen in vollem Umfang gerecht zu werden. Auf diese Weise werden wertvolle Biotopstrukturen langfristig gesichert und gefördert.

Der Abschlussbericht 2016 gibt einen sehr guten Überblick über die Bestandssituation des Schwarzspechts sowie eine Reihe weiterer Vogelarten, die Schwarzspechthöhlen als „Nachmieter“ bewohnen. Insbesondere Hohltaube, Dohle und Schwarzspecht werden als Großhöhlenbrüter festgestellt, kleinere Singvögel, Bienen und Säugetiere sowie Pilze bilden die übrige Wohngesellschaft. 65% der untersuchten Bäume sind nach wie vor als brauchbare Höhlenbäume geeignet, für 13% gilt dies nicht mehr. Natürliche Abgänge in Folge von Sturmereignissen gab es ebenfalls (8%).

Die erfreuliche Hauptbotschaft der Untersuchung ist, dass lediglich 5% der Bäume durch Fällung verloren ging. Bezogen auf den Zeitraum von 10 Jahren und im Vergleich ohne Höhlenbaum-Kartierung kann dieser Anteil als sehr gering eingeschätzt werden. Dies zeigt, dass die Markierung von Höhlenbäumen, deren Verortung in Bestandeskarten sowie der intensive Austausch des Kartierers Herrn Sikora mit den Revierleitern Früchte trägt und wertvolle Habitatbäume erhalten bleiben.

Bei der aktuellen Untersuchung hat sich jedoch im Vergleich zu den vorigen Erhebungen ein entscheidendes Merkmal völlig verändert. Der Anteil von Höhlenbäumen mit idealem Umfeld und intakten Einfluglöchern hat sich um 25% verringert. Gleichzeitig stieg der Anteil von Bäumen mit zugewachsenem Einflugloch um 11%.

Die vermutete Ursache für diesen Trend liegt in der stark aufkommenden Naturverjüngung. Bäume, die von unten her nachwachsen, versperren gewissermaßen die Einflugschneise zur Höhle oder machen die Höhle auf Grund zu erwartender Fressfeinde unattraktiv für die Schwarzspechte. Zudem verzeichnen die Wälder immer weniger so genannte Hallenbestände, eine wichtige Habitatstruktur für die Großhöhlenbrüter.

Ob mit diesem Trend auch gleichzeitig ein Rückgang der Großhöhlenbrüter einhergeht ist allerdings nicht zwangsläufig die Folge. Die Spechte könnten auf andere Bäume ausweichen und dort neue Höhlen anlegen, die Habitate würden sich so nur örtlich verlagern.

Ziel dieser neuerlichen Untersuchung ist es, diese mögliche Verlagerung zu untersuchen. Die Suche soll sich auf das Umfeld der bisher untersuchten Bäume bzw. die Waldgebiete erstrecken, die bei den vorangegangenen Untersuchungen zu jung waren, um zu klären, ob hier neue Schwarzspechthöhlen entstanden sind. Je nach Ergebnislage können Schlüsse für ggf. notwendige waldbauliche Maßnahmen im Umfeld von Schwarzspechthöhlen gezogen werden. Für das Alt- und Totholzkonzept von Forst BW werden wichtige Erkenntnisse erarbeitet.

Der Projektantrag ist mit den Kreisforstämtern der Landkreise Reutlingen, Esslingen und Alb-Donau-Kreis abgestimmt.

Deutsche Wildtier Stiftung
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