Seit 2015 betreibt die Familie Henniger eine Schäferei mit Sitz in Münsingen-Hundersingen. Insgesamt bewirtschaften sie 180 ha Grünland. Der größte Teil der Flächen befindet sich im ehemaligen Truppenübungsplatz, weitere Flächen liegen im Großen Lautertal. Es ist eine Hüte- und Wanderschäferei.

Die jüngste Schäferei im Biosphärengebiet macht sich auf den Weg, ihren Betrieb durch die Selektion und Züchtung von Schafen zukünftig besser auf die extensiven Schafweiden im Biosphärengebiet und die damit verbundene Landschaftspflege auszurichten. Es sollen Schafe gezüchtet werden, die den Aufwuchs von extensiven Grünlandflächen gut in Milch- und Fleischleistung umsetzten können.

Die Zucht des in Süddeutschland vorrangig gehaltenen Merinolandschafs erfolgte in den letzten Jahrzehnten hauptsächlich über die männlichen Nachkommen. Diese werden unter gleichen Bedingungen im Stall gehalten und mit dem Einsatz von konzentrierten Futtermitteln gefüttert. Die Zucht der Böcke auf Fleischzuwachs durch Getreidefütterung entfernt diese eigentlich an den Standort bestens angepasste Schafrasse davon, eine gute Fleischleistung aus dem Aufwuchs von mageren Grünlandstandorten wie z.B. Wacholderheiden und Kalkmagerrasen zu erbringen. Die Eignung dieser Tiere für die Landschaftspflege nimmt somit immer mehr ab.

Hier setzt das mehrjährige Projekt der Familie Henniger an. In den nächsten Jahren sollen drei verschiedene Methoden zur Selektion zukünftiger (Mutter-)Schafe getestet und beurteilt werden. Dafür ist die Wiegeeinrichtung, die in diesem Antrag gefördert werden soll, von zentraler Bedeutung. Dieses Gerät ermöglicht durch spezielle Ausstattungen (elektronisch wie mechanisch), die Daten und ggf. Kennzeichnung der Schafe (Lämmer wie Muttertiere) schnell, tiergerecht und stressfrei zu erfassen und zu verarbeiten. Hinzu kommt, dass dieses Gerät für den Durchführenden Vorteile in der Handhabung, der Arbeitswirtschaft und dem körperlichem Einsatz im Vergleich zu sonstigen Wiegeeinrichtungen hat. Die verschiedenen Daten sollen hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit miteinander verglichen und auf Praxistauglichkeit bei der Datenaufnahme überprüft werden. Am Ende dieser Arbeit werden die Ergebnisse in einer Art Handlungsleitfaden für die Schafzucht im Biosphärengebiet aufbereitet und in schriftlicher Form zur Verfügung gestellt. Des Weiteren sollen die Ergebnisse bei einem öffentlichen Vortrag für Schäfer und Interessierte vorgestellt und diskutiert werden.

Durch die mehrjährige Berufserfahrung der Antragsteller im Ausland, speziell in Gebieten mit intensiver Schafhaltung und Zucht, wie Neuseeland oder Großbritannien (u.a. Falklandinseln), fließen in diese Arbeit neueste internationale Selektionsansätze mit ein. Zudem wird diese Arbeit von Prof. Dr. von Korn der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen zunächst im Rahmen einer Masterarbeit und die darauffolgenden Jahre bezüglich der Tierzucht und -genetik betreut und unterstützt. Das Schafberatungsbüro Wagner begleitet seit letztem Jahr die betriebswirtschaftliche Seite der Schäferei und wird diesbezüglich den Zwischenstand prüfen und ggf. Korrekturansätze einbringen.

Die zukunftsgerechte Ausrichtung der Schafhaltung der Schwäbischen Alb und des Biosphärengebiets ist ein maßgeblicher Auftrag des Biosphärengebiets. Die Züchtung und Selektion der (Mutter-)Schafe sind dabei ein wesentlicher Bestandteil dieses kontinuierlichen Entwicklungsprozesses.

Schäferei Henniger
Trailfinger Straße 16
72525 Münsingen