Die im Biosphärengebiet Schwäbische Alb angebauten Weizensorten Hermes, Karneol und Roter Älbler haben keinerlei Verwandtschaft zu den derzeit angebauten Sorten im ökologischen und konventionellen Landbau und tragen somit zur Diversität im Weizenanbau bei. Hermes und Karneol sind Sorten, die aus der alten Landrasse Probus selektiert wurden. Diese Landrasse wurde noch rudimentär bis 1955 im Bodenseeraum angebaut. Nach neueren Forschungsergebnissen der Universität Köln ist zu erwarten, dass die Sorten aus der Probuslinie besser vertragen werden als eine Vielzahl moderner Kreuzungen. Somit dürfte eine verstärkte Nachfrage nach diesen für den ökologischen Landbau wertvollen Sorten einsetzen und zu ihrem Erhalt beitragen. Die Sorten verfügen über einen längeren Halm und größtenteils langsamere Jugendentwicklung, was lichtbedürftigen  Ackerwildkräutern Lebensraum verschafft.

Allerdings haben diese Sorten eine besondere Anfälligkeit für Steinbrand (Pilz). Wenn die Steinbrand-sporen nach der Ernte nicht von den Getreidekörnern entfernt werden, können sie nicht verarbeitet und weiterverwertet und somit langfristig nicht erhalten werden.

Im Biosphärengebiet Schwäbische Alb werden die genannten Weizensorten auf rund 15 ha von 5-8 Bioland-Landwirten angebaut. Stellvertretend für diese Interessensgemeinschaft stellt der Betrieb Jörg Holzschuh einen Förderantrag zur Anschaffung einer Kornbürste zur Reduzierung von Steinbrand-sporen. Jörg Holzschuh aus Schelklingen-Hütten im Schmiechtal bewirtschaftet mit seiner Familie rund 100 ha, davon 50 ha Ackerland nach den Bioland-Richtlinien. Als Verarbeiter und Vermarkter haben Heiner Beck (Bäckerei BeckaBeck) aus Römerstein und Lutz Mammel (Lauteracher Alb-Feld-Früchte) aus Lauterach großes Interesse an der Anschaffung und dem Einsatz dieser Maschine.

Im Anbau ergriffen die Landwirte von Beginn an eine Reihe von Maßnahmen, um den Steinbranddruck so gering wie möglich zu halten. So wirtschaften sie mit einer möglichst weit gestellten Fruchtfolge (5-7 Glieder) und beizen das Saatgut mit Senf- und Meerrettichmehl. Zudem wurde versucht, die Haftung des Beizmittels durch Naturöle zu verbessern. Letztlich investierte der Betrieb Holzschuh zusammen mit einem Kollegen erhebliche Summen in eine Getreidereinigung mit Absaugung, um Sporen, die sich während der Einlagerung  lösen, an den Reinigungssieben abzusaugen. All diese Maßnahmen reichen mittlerweile nicht mehr aus, um das Sporenpotenzial auf niedrigstem Niveau zu halten.

Als letzte Maßnahme, um den Erhalt der alten Sorten zu gewährleisten, rieten die Ökozüchter zu einer mehrmaligen Getreidebürstung. Eine kleine mobile Bürstanlage (200 kg/h) bewirkte bei einem Test mit Getreide aus der Ernte 2018 eine Reduzierung der Sporen um 90 %. Eine große Bürstanlage (3 to/h) mit einer Anschlussleistung von 18,5 kW erreichte eine Reduzierung um 99 %. In Anbetracht dieser Ergebnisse möchten die Landwirte nun als letzte Maßnahme in eine große Bürstanlage investieren, um das Steinbrandproblem bei alten Sorten zu lösen.

Betrieb Jörg Holzschuh
Brunnenstr. 14
89601 Schelklingen-Hütten