AuditoriumAn die 200 Studenten, Wissenschaftler von den nahe gelegenen  Hochschulen und aus der Mitte und dem Norden Deutschlands, haupt- und ehrenamtliche Naturschutzakteure, Behördenvertreter, Bürgerinnen und Bürger verwandelten das Uracher Schloss, am 06. und 07.11.2009 in einen Ort voller Leben, an dem viel gesprochen, zugehört und diskutiert wurde über die Biologische Vielfalt - die laufende Biodiversitäts- und Ökosystemforschung im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Nach dem großen Erfolg des ersten Albsymposions im Herbst 2007 zum Thema „Geschichte der Kulturlandschaft im Biosphärengebiet Schwäbische Alb“ war die Entscheidung für ein zweites Albsymposion mit dem Thema „Biologische Vielfalt“ schnell getroffen: zum einen, weil die Erhaltung der biologischen Vielfalt ein Hauptanliegen von Biosphärenreservaten ist und zum anderen weil Forschung zu den elementaren Aufgaben in Biosphärenreservaten gehört. Als Kooperationspartner konnte das Institut für Experimentelle Ökologie an der Universität Ulm gewonnen werden. Viele Untersuchungsflächen des Forschungsprojektes mit dem Titel „Biodiversitäts-Exploratorium“ liegen unmittelbar im Biosphärengebiet. Dort soll Ökosystemforschung großskalig stattfinden und mit einer Langzeitperspektive vereint werden. 

Ziel der Tagung in Bad Urach war, Forschenden und einer interessierten Öffentlichkeit einen Über- bzw. Einblick in die laufende Biodiversitäts- und Ökosystemforschung im Biosphärengebiet Schwäbische Alb zu gewähren und so eine breite Öffentlichkeit in der Region für dieses Thema zu sensibilisieren. „Wie können wir den Schutz der Biologischen Vielfalt, das Streben nach wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung und die Erhaltung kultureller Werte miteinander vereinbaren?“, so lautet eine zentrale Frage der Forschung in Biosphärenreservaten. Als „Drehscheibe für die Forschung“ möchte die Geschäftsstelle des Biosphärengebiets Partnerschaften zwischen Forschenden und Akteuren vor Ort - über Disziplinen und Institutionen hinweg - vermitteln helfen. Das kann aber nur gelingen, wenn alle Forschenden voneinander wissen, wenn Erfahrungen und Informationen untereinander ausgetauscht werden und wenn aus der Region Ideen und Forschungsbedarf an die Wissenschaftler herangetragen werden.

Die Vielfalt im Tagungstitel spiegelte sich auch in der Vielfalt der insgesamt 16 Referate aus Forschung und Praxis wider, mit denen ein erster Einblick in die laufende Forschung im Biosphärengebiet im Kontext „Biologische Vielfalt“ gewährt und der Status quo sowie Entwicklungspotenziale der Biologischen Vielfalt in der Naturschutzpraxis, im Wald und in der Landschaft hinterfragt wurde. Es ging um Blüten-Bestäuber-Interaktionen auf den Albwiesen, die Fledermausfauna, die Bewirtschaftung bzw. Pflege der Wacholderheiden, naturnahe Waldwirtschaft, Mikroorganismen in den Böden u.ä.m. Mit Posterpräsentationen informierten Gruppen über das Spektrum ihrer Arbeiten im Biosphärengebiet. Über das Projekt der Nachwuchsforschergruppe „Ökosystemleistungen“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften wurde ebenso informiert wie über die „Wiederbelebung der historischen Alblinsen – ein Beitrag zur Agrobiodiversität“.

PostersesseionGanz konkreten Bezug zur Landschaft des Biosphärengebiets gab es im Themenblock „Biodiversität in der Naturschutzpraxis“. Wie kann Biodiversität im Biosphärengebiet konkret durch Naturschutzplanung erhalten werden? Passen Biodiversität, Erholung und Tourismus zusammen und wie? Viele Fragen standen im Raum, die nicht immer schnell und eindeutig zu beantworten waren. Das musste aber auch nicht so sein, denn es bot sich ausreichend Gelegenheit zum Diskutieren und Fragen am Rande der Tagung bei Kaffeepausen, beim Imbiss oder in der „Ideenecke“: Damit Themen, die in Gesprächen am Rande der Tagung diskutiert wurden, oder Ideen, die während der Tagung entstanden waren, nicht verloren gehen, wurden alle Teilnehmer aufgefordert, diese Ideen an einer Pinwand aufzuschreiben. Zusätzlich wurden zwei zentrale Fragen formuliert: „Zu welchem Thema sehe ich im Bereich „Biologische Vielfalt“ ganz konkreten Forschungsbedarf im Biosphärengebiet Schwäbische Alb?“ und „Wie und wo könnte man „Biologische Vielfalt“ im Biosphärengebiet Schwäbische Alb noch stärker thematisieren?“.

PodiumsdiskussionDie Tagung endete mit einer Podiumsdiskussion, an der noch einmal das Motto der Tagung „erforschen, erhalten & erleben“ mit Vertreterinnen und Vertretern aus Forschung, Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus thematisiert wurde. Auf dem Podium saßen Gebhard Aierstock, Kreisvorsitzender des Kreisbauernverbands Reutlingen e. V., Professor Dr. Markus Fischer, Sprecher des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Verbundprojektes „Biodiversitäts-Exploratorien“, Frau Professor Dr. Elisabeth K. V. Kalko, Leiterin des Biodiversitäts-Exploratoriums Schwäbische Alb, Günter Künkele, Bund Naturschutz Alb-Neckar e. V., Dr. Gerhart Pauritsch-Jacobi, Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb und Maria Stollmeier, Gästeführerin der Schwäbischen Landpartie und Biosphären-Botschafterin.

Finanziert und gefördert wurde die Veranstaltung durch die Landesstiftung Baden-Württemberg. Freundliche Unterstützung leisteten die Stadt Bad Urach, die VHS Bad Urach und die VHS Münsingen. 

Ergebnisse

Das Symposion sollte dazu beitragen, Forschungsprojekte im Bereich Biologischer Vielfalt im Biosphärengebiet kennen zu lernen, Forschungsthemen zu vertiefen und weiter zu entwickeln oder gar neue Ideen für das Biosphärengebiet zu formulieren. Diese Ideen können wichtige Anknüpfungspunkte für weitere Aktivitäten im Biosphärengebiet zum Thema „Biologische Vielfalt“ und „Forschung zur Biologischen Vielfalt“ sein.
Damit Themen, die in Gesprächen am Rande der Tagung diskutiert wurden, oder Ideen, die während der Tagung entstanden, nicht verloren gehen, wurden alle Teilnehmer gebeten, diese Themen und Ideen aufzuschreiben und an vorbereitete Pinnwände zu heften.

Alles, was im Laufe der Tagung an die Pinnwände geheftet wurde, finden Sie hier:

Zu welchem Thema sehe ich im Bereich „Biologische Vielfalt“ ganz konkreten Forschungsbedarf im Biosphärengebiet Schwäbische Alb?

Wie und wo könnte man „Biologische Vielfalt“ im Biosphärengebiet noch stärker thematisieren?

Vorträge

Anbei finden Sie das Vortragsprogramm zum 2. Albsymposion am 06. und 07.11.2009 in Bad Urach. Einige Vorträge sind auf Anfrage (ruediger.jooss[at]rpt.bwl.de) als pdf erhältlich. 

  • E. Kalko (Universität Ulm): Erhaltung der Biologischen Vielfalt als Chance für unsere Gesellschaft?
  • M. Ayasse (Universität Ulm): Bestäubungsbiologie einheimischer Orchideen
  • N. Blüthgen (Universität Würzburg): Blüten und Insekten in den Albwiesen: Wer mit wem?
  • M. Schloter (Helmholtz Zentrum München): Unsichtbar und doch wichtig - Mikroorganismen in den Böden der Alb und ihre Rolle für die Qualität von Böden
  • V. Kracht (Regierungspräsidium Tübingen): Umsetzung von Natura 2000 als Beitrag zur Sicherung von Biodiversität im Biosphärengebiet
  • M. Koltzenburg (Büro f. Botanik u. Landschaftsökologie, Tübingen): Die Wacholderheiden in Hayingen: Artenvielfalt durch Beweidung oder maschinelle Pflege? - ein Beispiel aus der Praxis
  • K. Reidl (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen): Biodiversität, Erholung und Tourismus - ein Widerspruch?
  • A. Nagel (Gutachter, Münsingen-Apfelstetten): Die Fledermausfauna im Biosphärengebiet Schwäbische Alb
  • G. Harrer & R. Luick (Hochschule f. Forstwirtschaft Rottenburg): Landschaftselemente im Biosphärengebiet Schwäbische Alb in der 3. Dimension
  • P. Berthold (Vogelwarte Radolfzell) Biologische Vielfalt: Was sagen uns die Vögel, die am besten untersuchten Lebewesen?
  • J. Bauhus (Universität Freiburg): Ist die naturnahe Waldwirtschaft ein tragfähiges Konzept für die zukünftige Bewirtschaftung unserer Wälder?
  • E. Aldinger (Forstliche Versuchs- u. Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Freiburg): Der Bannwald Stöffelberg-Pfullinger Berg - Biologische Vielfalt am Albtrauf
  • S. Böhm (Universität Ulm): Heckenvögel auf der Schwäbischen Alb
  • W. Konold (Universität Freiburg): Landschaftsveränderung und biologische Vielfalt
  • M. Fischer (Universität Bern): Biodiversität: unsere Lebensgrundlage und Versicherung angesichts globaler und lokaler Umweltveränderungen

Materialien zum Download

Tagungsmappe (ca. 2,5 MB)

Programmflyer (ca. 2 MB)