Den UNESCO Kriterien zufolge liegt ein Forschungsschwerpunkt auf den Untersuchungen der Auswirkungen von historischen und modernen Formen der Landnutzung auf Struktur und Funktion von Ökosystemen und deren Naturhaushalt. Die Erhaltung pflanzen- und tiergenetischer Ressourcen zählt zu den großen globalen Herausforderungen der Gegenwart. Durch Grundlagenforschung einerseits und den daraus resultierenden praxisorientierten Anwendungen andererseits werden Erkenntnisse gewonnen, die hierzu einen Beitrag leisten können.

Aktuell ist in diesem Zusammenhang die Universität Ulm auf Flächen des Biosphärengebiets tätig. In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt werden innerhalb der Gebietskulisse Forschungsplattformen eingerichtet, bei denen neben der Beobachtung und Beschreibung der Artenvielfalt vor allem fachübergreifende Experimente zur Erforschung der Funktion von Biodiversität im Vordergrund stehen.

 

Ziel der Forschungsarbeiten

Ziel der Forschungsarbeiten ist es, die Rolle und Funktion von Artenvielfalt und deren Bedeutung für Ökosysteme in unterschiedlichen Kulturlandschaften zu untersuchen. Die Einrichtung von Untersuchungsflächen erfolgt auf Grünland- und Waldflächen mit unterschiedlicher Art und Intensität der Nutzung. Untersucht werden dabei Fragestellungen wie:biodiversitaet1

  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen Biodiversität und Art der Landnutzung bzw. Landnutzungsintensität?
  • Welche Auswirkungen haben Biodiversitätsveränderungen auf das Funktionieren von Ökosystemen und Lebensgemeinschaften?

Neben der Schwäbischen Alb wurden hierfür weitere Gebiete im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg) und im Nationalpark Hainich (Thüringen) ausgewählt.

 

Untersuchungsmethoden

biodiversitaet2Die Untersuchungen schließen verschiedene Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen sowie Klima- oder Bodenfaktoren mit ein. Grundlage der Forschungsplattform auf der Schwäbischen Alb sind über 1000 vermessene sogenannte Probeflächen im Wald und Grünland. Die exakte Lagebestimmung dieser Flächen mit Hilfe von globalen Positionierungssystemen (GPS) und geografischen Informationssystemen erlaubt es, diese Probeflächen wiederholt aufzusuchen und unterschiedliche Messungen und Beobachtungen durchzuführen.
biodiversitaet3Mit Hilfe von Untersuchungen der dort vorkommenden Lebensraumtypen, Pflanzenarten, Bodenbeschaffenheit und die Art und Weise der Bewirtschaftung werden 100 Flächen für intensivere Untersuchungen ausgewählt. Diese repräsentieren die unterschiedliche Landnutzung im Wald und im Grünland der Schwäbischen Alb von weitgehend ungenutzten und naturnahen bis hin zu stark genutzten Lebensräumen. Auf diesen intensiveren Untersuchungsflächen werden umfangreiche Untersuchungen und Messungen durchgeführt.

 

Interdisziplinäre, anwendungsorientierte und grenzüberschreitende Forschung

Die Forschungen werden fachübergreifend von Wissenschaftlern zahlreicher Universitäten und wissenschaftlicher Einrichtungen durchgeführt. Diese fachübergreifende Zusammenarbeit verschiedener Wissenschaftsdisziplinen sowie die Integration der Forschungsarbeiten in die reale Landschaft sind eine Besonderheiten des Projektes. So erlauben Untersuchungen im Grünland mit unterschiedlich intensiver und fortlaufender Bewirtschaftung wie Beweidung, Mahd oder Düngung die Auswirkung von Umweltveränderungen und Bewirtschaftung auf Artenvielfalt und Ökosystemprozesse zu untersuchen. biodiversitaet4
Die Kooperation zwischen Wissenschaftlern, regionalen Entscheidungsträgern und mehr als 40 Landbewirtschaftern im Rahmen des Biodiversitäts-Exploratoriums lässt die Schwäbischen Alb zu einem Freiluftlabor mit einer beispielhaften Kooperation und Kommunikation zwischen Region und Wissenschaft werden. Die breite Palette teilhabender Wissenschaftsgruppen sorgt dabei für eine Vernetzung der Schwäbischen Alb mit nationalen und internationalen Bemühungen in der ökologischen Langzeitforschung.

 

Das Biosphärengebiet als Freiluftlabor – Handlung und Entwicklung zur innovativen Modellregion

biodiversitaet5Die Sonderstellung der Schwäbischen Alb als Biosphärengebiet mit international repräsentativer und nachhaltiger Entwicklung erfordert ein funktionierendes Zusammenspiel zwischen oft gegensätzlichen Interessen wie menschliche Nutzung und der Wahrung von Landschaft mit ihren naturnahen Lebensräumen. Ein optimaler Einklang zwischen Natur und Wirtschaft erfordert dabei eine innovative Regionalgestaltung und die Umsetzung innovativer Praktiken.biodiversitaet6 Forschung im Biosphärengebiet stellt dabei eine wichtiges Aufgabenfeld und eine Grundlage dar, um beispielhaft und über die Region hinaus zum Wissen und zur Bewahrung von natürlichem Reichtum und intakten Ökosystemen, stabilen Gesellschaftsformen und nachhaltig ertragsbringender Nutzung beizutragen.
Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb kommt dieser Funktion als Freiluftlabor nach und beherbergt eine Vielzahl an Projekten in den Bereichen der grundlegenden und angewandten Naturwissenschaften sowie der Sozialwissenschaften. Dabei beschäftigt sich die im Biosphärengebiet durchgeführte Forschung sowohl mit lokalen Ressourcen und Ökosystemen als auch mit deren Relevanz für regionale und globale Prozesse.

 

Kontakt

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite der Biodiversität-Exploratorien oder direkt bei:

Gebietsmanagement Biodiversitäts-Exploratorium Schwäbische Alb
Dr. Swen Renner
Institut für Experimentelle Ökologie
Universität Ulm
Albert-Einstein-Allee 11
89081 Ulm