Historische Kulturlandschaft ist die von Menschen in der Vergangenheit gestaltete Landschaft, deren Strukturen und Elemente. Typische Elemente der historischen Kulturlandschaft sind alte Bewässerungssysteme, Hohlwege, Ackerterrassen, Rohstoffabbaustellen aller Art, Steinriegel, Grenzgräben, Brunnen usw. Diese Elemente sind Zeugen vom Umgang früherer Generationen mit Natur und Landschaft und vermitteln ein Bild der damaligen Möglichkeiten der Wirtschaftstechnik, erlauben Schlüsse auf politische, soziale und gesellschaftliche Gegebenheiten und die früheren Bedingungen des Alltagslebens im Kontext von Umwelt und Gesellschaft. Vielfalt, Eigenart und Schönheit unserer Landschaft sind in der Regel entscheidend kulturlandschaftlich bestimmt.

Auch im Biosphärengebiet ist die historische Kulturlandschaft mitsamt ihren Elementen wichtig für die Charakteristik der Landschaft. Lebensräume wie Wacholderheiden oder Streuobstgebiete sind historisch entstandene Nutzungs- oder Wirtschaftsräume, die ihre ursprüngliche Funktion zum Teil verloren haben. Auch aus Gründen des Artenschutzes ist es sinnvoll, die historische Kulturlandschaft als Lebensraum zu erkennen, zu erfassen und zu bewerten. Eine an künstlichen Geländeformen reiche und kleinräumig vielfältige Kulturlandschaft ist oftmals artenreich in Flora und Fauna. Mit der seit vielen Jahrzehnten beschleunigt fortschreitenden Reduzierung traditioneller Kulturlandschaftselemente geht daher folgerichtig eine Artenverarmung einher.

Modellprojekt historische Kulturlandschaftselemente im Biosphärengebiet Schwäbische Alb

Im Rahmen des Förderprogramms des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, konnten durch einen ersten Förderantrag des Geographischen Instituts der Universität Tübingen im Jahr 2017 modellhaft die Relikte der historischen Kulturlandschaft im Gebiet Eningen unter Achalm sichtbar gemacht und in einem Folgeantrag des gleichen Antragstellers im Jahr 2018 auch im Gebiet des Listhofs (Stadt Reutlingen) untersucht werden. Ebenfalls im Rahmen des Förderprogramms wurden wiederum durch das Geographische Institut der Universität Tübingen und Unterstützung des Geschichtsvereins Pfullingen 2019 und 2020 die historischen Kulturlandschaftselemente in Pfullingen unter Anwendung der gleichen Methodik analysiert. Zukünftig ist eine Untersuchung der historischen Kulturlandschaftselemente für das gesamte Biosphärengebiet angedacht.

Ziele des Projektes sind:

  • Exemplarische Bearbeitung einer „Modellfläche/Gebietes“ durch intensive flächendeckende Geländebegehungen und Abschätzung der Anwendbarkeit von Methoden der Fernerkundung. Als Modellfläche wurde das Gebiet der Gemeinde Eningen u. Achalm (Landkreis Reutlingen) ausgewählt, das in einer für das Biosphärengebiet einzigartigen Weise exemplarisch charakteristische Landschaften des Albvorlandes wie auch der Albhochfläche umfasst. Zudem werden hier auch Anteile der Kernzone sowie der Pflege- und Entwicklungszonen erfasst.
  • Referenzgebiet Naturschutzgebiet Listhof: Exemplarische Bearbeitung einer „Referenzfläche“ zur Verifizierung der im Modellgebiet Eningen erarbeiteten Methoden. Als Referenzfläche wurde das Gebiet des Naturschutzgebietes Listhof (Stadt Reutlingen) ausgewählt, das naturräumliche Ausschnitte des Albvorlandes umfasst sowie stark durch die militärische Nutzung seit 1935 geprägt ist.
  • Darstellung effizienter Methoden und Benennen historischer Quellen (Archive, Datenbanken, Kartenwerke, Kleindenkmallisten; Bürgerauskünfte u. a.) und deren praktische Nutzbarkeit zur Darstellung von Elementen der historischen Kulturlandschaft.
  • Darlegen der Möglichkeiten der Fernerkundung.
  • Perspektiven für die Weiterführung des Modellprojektes entwickeln und Überprüfung der Übertragbarkeit der Vorgehensweise auf andere Gemeinden des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.
  • Weitere didaktische Verwendung der Ergebnisse z.B. für die Landschaftsführer*innen im Biosphärengebiet, damit diese sie in ihren Führungen integrieren können.

Es ist gelungen, die Gesamtfläche des Modellgebietes und der sog. „Referenzflächen“ hinsichtlich Relikten historischer Kulturlandschaft annähernd vollständig zu erfassen. Zu den sehr zeitintensiven Geländebegehungen wurden Fernerkundungsdaten und historische Quellen wie Karten und Literatur hinzugezogen. Hinsichtlich der Methodik hat sich ein eigens dafür entwickeltes GIS-Projekt bewährt. Auskünfte vor Ort (Gemeindeverwaltungen und Geschichtsvereine) wurden ebenfalls in die Untersuchungen mit einbezogen.

Die Projektberichte finden Sie hier:

Außerdem ist eine Veröffentlichung über derartige Untersuchungen der historischen Kulturlandschaft auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz durch Dr. Christoph Morrissey über das Kreisarchiv Reutlingen erhältlich:

Christoph Morrissey: Hülen, Sandgruben und Holzwiesen - Historische Kulturlandschaft im ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen im Vergleich mit dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb (Schwerpunkt Landkreis Reutlingen). Hrsg. v. Landkreis Reutlingen (2015).

Gesamtkartierung aller erfassten Elemente im Gebiet Eningen unter Achalm

Gesamtkartierung aller erfassten Elemente im Gebiet Eningen unter Achalm