Im Biosphärengebiet Schwäbische Alb gibt es derzeit ca. 110 schafhaltende Betriebe mit rund 15.000 - 20.000 Mutterschafen. Knapp 20 Betriebe wirtschaften im Haupterwerb und halten im Durchschnitt 600 - 800 Mutterschafe. Weitere Hüte- und Wanderschäfer von außerhalb nutzen während der Vegetationszeit vor allem die Flächen des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen als Weide. In der Hauptsaison können so gerne mal 25.000 Mutterschafe zuzüglich Lämmer im Biosphärengebiet unterwegs sein.

Der ehemalige Truppenübungsplatz nimmt eine gewisse Sonderrolle in der Schafhaltung im Biosphärengebiet ein:

Etwa zwei Drittel des ca. 6.700 ha großen ehemaligen Truppenübungsplatzes ist von Wiesen und Weiden geprägt. Damit ist er das größte von öffentlichen Straßen unzerschnittene Offenlandgebiet in Baden-Württemberg. Das Gebiet weist gerade in diesem Offenland eine sehr hohe Vielfalt charakteristischer Tier- und Pflanzenarten, darunter zahlreiche gefährdete Arten, auf. Beispiele sind die Heidelerche und das Braunkehlchen oder Insekten, wie der Gebirgsgrashüpfer, der Kleine Heidegrashüpfer und der Schwarzbraune Würfel-Dickkopffalter. Für die Offenhaltung der sehr großen Grünlandflächen kommt der Schafbeweidung die zentrale Rolle zu. Auch die Kampfmittelbelastung schränkt alternative Nutzungsformen stark ein.

Die Schafbeweidung, die für die Offenhaltung der Heiden und für die Erhaltung der Artenvielfalt wichtig ist, befindet sich aus ökonomischer Sicht in keinem guten und stabilen Zustand. Die Arbeitslast ist hoch, das Einkommen durch den Verkauf von Fleisch ist gering und für Schafwolle ist kaum ein Markt vorhanden. Mittlerweile kommt daher bei den meisten Schäfereien der größte Teil der Betriebseinnahmen aus der Landschaftspflege. Rund 40% der Markteinnahmen in der Schafhaltung stammen noch aus Lamm- und Schaffleisch, nur knapp 2% aus dem Erlös von Wolle und Fellen und ca. 60% aus der Landschaftspflege.

Das Biosphärengebiet leistet unter anderem mit zwei aktuellen Projekten einen Beitrag zur Verbesserung der Bedingungen zur naturschutzfachlichen und ökonomischen Stärkung der Schäferei. Diese Projekte wirken auf die Infrastruktur der Schäferei durch Situationsanalysen, Entwicklung von Maßnahmenkatalogen und Unterstützung von Kommunen. Diese Infrastruktur bezieht sich auf vorhandene und neue Triebwege, Weide- und Pferchflächen, Basisstationen und vertragliche Absicherungen.

Die regionaltypischen Wacholderheiden und Kalkmagerrasen sind wichtige Standorte für die Schafhaltung. Im Raum Hayingen, im Tal der Großen Lauter sowie im Raum Münsingen sind großflächige Wacholderheiden vorzufinden. Da die Tiere die stacheligen Wacholdersträucher meiden und stattdessen die junge Baumtriebe, Kräuter und Gräser auf den Wiesen verzehren, bleiben die Wachholdersträucher stehen und prägen somit das typische Landschaftsbild der Schwäbischen Alb.

Das Merinoschaf ist eine beliebte Rasse bei der Schafhaltung in Baden-Württemberg. Diese Rasse überzeugt durch Marschfreudigkeit, gute Mütterlichkeit, Fleischqualität und eine gute Qualität der Wolle, die sich hervorragend zur Weiterverarbeitung eignet. Des Weiteren werden Rassen wie das Coburger Fuchsschaf oder das Waldschaf im Biosphärengebiet gehalten. Die Wanderschäfer müssen sich zunehmend größeren Herausforderungen stellen. Der Verlust großer zusammenhängender Weideflächen und die Unterbrechung alter Triebwege, sowie die Intensivierung der Landwirtschaft und die damit einhergehende Umwandlung von Grünland in Ackerflächen erschweren es den Schäfern ihre Herden von Fläche zu Fläche zu bewegen und deren Ernährung zu sichern.

MS Schafe auf Wacholderheide 02