Im Teilprojekt der Arbeit in Selbsthilfe gGmbH. Mössingen besteht die Zusammenarbeit mit der inklusiven Grüngruppe Streuobst und Naturschutz. Der Fokus liegt in  „Natur und Landschaftspflege, wir hinterfragen Zusammenhänge“

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In der Grüngruppe des Inklusionsbetriebs AiS inklusiv gGmbH, arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Die Mitarbeiter sind ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechend im Garten- und Landschaftsbau eingesetzt und sozialversicherungspflichtig angestellt. 

Im Projekt geht es darum, eine gesellschaftliche Teilhabe anzustoßen, indem Pflegemaßnahmen da stattfinden, wo Menschen Ihre Freizeit verbringen und sich daraus Begegnungen, Gespräche und im besten Fall ein Mitwirken von Interessierten entwickelt. An einem der Prädikatswanderweg der „hochgehberge“ in der Gemeinde Lichtenstein werden Pflegemaßnahmen im Bereich der Kalkmagerrasen- und Heckenpflege umgesetzt. Es werden Zusammenhänge und Wissen im Bereich Natur und Landschaft vermittelt und ein Vorher-Nachher-Abgleich soll verdeutlichen, was mit den Pflegemaßnahmen bewirkt wird. Darüber hinaus wird die Frage gestellt, welche Abklärungen und Vorgaben eigentlich berücksichtigt werden müssen, um überhaupt auf der Fläche tätig zu werden? Hierfür gestalten wir Vorabtermine mit allen Interessensvertretern und laden Expertinnen und Experten ein, uns mehr über diese Lebensräume, deren Arten und Ihre Zusammenhänge zu erklären.

Die Ideenwerkstatt soll in diesem Projekt Impulsgeber sein, das Gelernte und Erlebte zu publizieren. Es sollen miteinander innovative und kreative Wege gefunden werden, die gewonnenen Erkenntnisse aufzubereiten, um andere daran teilhaben zu lassen! So werden die Teilnehmer zu Wissensvermittlern und berichten aus Ihrer Sicht.

 

Sind Sie neugierig geworden und möchten wissen was die Projektteilnehmer/innen als auch die Projektleitung seitens der Einrichtung zu Ihrem Projekt sagen, dann klicken Sie auf die Sprechblase!

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Folgende Aktivitäten haben wir in geblockten Zeiträumen umgesetzt: 

Im Winterhalbjahr 2019/2020 wurden die Lebensräume Hecke und Kalkmagerrasen durch die inklusive Grüngruppe gepflegt. Die Maßnahmenflächen befinden sich im Bereich der Hausener Alb entlang des Premiumwanderweges "hochgeträumt" in der Gemeinden Lichtenstein. Diese fanden in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde, dem Landschaftsentwicklungsverband Reutlingen, dem Revierleiter der Gemeinde Lichtenstein als Flächeneigentümerin und den Pächtern statt.  

Gepflegt werden insbesondere überalterte Hecken. Betrachtet man den Lebensraum genauer, so stellt man fest, dass er auf kleinstem Raum eine große Vielfalt beherbergt. Beeindruckend ist das Artenspektrum - es gibt Belege von bis zu 600 Pflanzen- und 900 Tierarten. Die weitaus meisten Arten sind Insekten wobei auch Spinnen-, Säugetier-, Amphibien-, Reptilien- und Vogelarten typische Bewohner sind. z.B. der Neuntöter. So bieten Hecken Nahrung, Schutz, Brutmöglichkeiten und Überwinterungsquartier auf einem Raum. Überaltert eine Hecke, wird sie zunehmend artenarmer und um dem entgegenzuwirken, werden die Hecken verjüngt, indem sie auf Stock gesetzt werden.

Die zweite Maßnahmenfläche ist ein Kalkmagerrasen. Dieser, für die Schwäbische Alb sehr typische und europaweit zu den artenreichsten zählenden Lebensräumen, ist meist durch jahrhundertelange Nutzung als Weide oder Mahd, ohne Einsatz von zusätzlichem Dünger auf kalkreichen Böden entstanden. Ein wesentliches Merkmal ist hier die hohe Strukturvielfalt wie offene Bodenstellen, Steine, Gebüsche und manchmal auch Felsen. So finden viele, zum Teil sehr seltene und hoch spezialisierte Arten einen Lebensraum wie z.B. die Silberdistel. Durch eine weniger intensive Nutzung verkrauten und verbuschten viele dieser Flächen. Deshalb soll hier eine deutliche Auflichtung, unter Schonung einzelner besonders markanter Hutebäume, umgesetzt werden, um die Beweidung durch Schafe wieder möglich zu machen. Ziel ist es, diesen Kalkmagerrasen auf der Hausener Alb für Mensch und Tier wieder erblühen zu lassen. 

Über eine Pressemitteilung wird auch intersstes Publikum eingeladnen, an dieser Pflegmassnahme mitzuwirken. 

AiS Kalkmagerrasen Herbst

 Im Frühjahr 2020 werden wir von der Corona-Pandemie überrascht und es finden vorerst keine Aktionstermine mehr statt, da es nicht möglich ist diese zu begleiten. Eine reine Umsetzung der landschaftspflegerischen Maßnahmen auf der Fläche wird als nicht sinnvoll erachtet, da es im Wesentlichen darum geht, mit der Projektgruppe durch die Umsetzung auf der Fläche zu arbeiten und Wissen zu vermitteln.

Im September 2020 ist es möglich, unter Einhaltung der Pandemie Bestimmungen mit der inklusiven Grüngruppe die Sommerpflege des Kalkmagerrasens in Lichtenstein umzusetzen. Hier wurde im Dezember 2019 der erste Pflegeeingriff vollzogen. Um die Kalkmagerrasenfläche jedoch wieder gänzlich in die Bewirtschaftung des Wanderschäfers übergeben zu können, müssen zwei bis drei Sommereinsätze umgesetzt werden, um die Sukzession so weit zurückzudrängen, dass die Schafe dieser wieder flächig beweiden können. Hier wird vor allem der wertvolle Lebensraum Kalkmagerrasen thematisiert, warum diese Pflegemaßnahme so wichtig ist, warum gerade hier die Fauna und Flora so hoch spezialisiert ist, wie sich anthropogene Einflüsse auswirken, warum dieser Lebensraum so bedroht ist und worauf bei der Pflege besonders geachtet werden muss. Es wurde ebenfalls aufgezeigt, dass dieser Pflegeeinsatz der inklusiven Grüngruppe sehr wichtig ist und sie wertvolle Arbeit leisten. Diese Rückmeldung kommt auch von der Unteren Naturschutzbehörde und des Landschaftserhaltungsverbandes, die das Teilprojekt begleiten.

AiS Kalkmagerrasen Sommer

Im Dezember 2020 ist ein weiterer Einsatz der inklusiven Grüngruppe geplant. Hier soll der zweite Abschnitt der Heckenpflege umgesetzt werden. Bereits im Vorjahr konnten drei überalterte Heckenabschnitte auf Stock gesetzt werden, nun folgen in Abstimmung mit dem Landschaftserhaltungsverband Reutlingen die nächsten Abschnitte. Auch bei dieser Aktion wird wieder auf die Besonderheit des Landschafts- und Lebensraums Hecke, das Artenspektrum und die Notwendigkeit dieser Pflegemaßnahme hingewiesen. Einzelne Arten werden vorgestellt, das Thema Totholz angesprochen, die Faktoren Licht und Schatten in Zusammenhang mit dem Artenspektrum gebracht etc.

Durch den begleiteten Pflegeeingriff erfahren die Menschen der inklusiven Grüngruppe, welch wichtigen Beitrag sie zum Erhalt der Landschaft beitragen, Hinterfragen Zusammenhänge und erarbeiten sich Wissen. Dies führt zu einem hohen sinnstiftenden und lehrreichen Mehrwert, neben der Tatsache, dass Natur als Begegnungsraum war genommen wird.