Wanstschrecke: Die stark gefährdete Wanstschrecke: ein Schwergewicht unter den Heuschrecken Mitteleuropas © Jürgen Trautner

Landwirte schützen die Wanstschrecke auf der Schopflocher Alb

Landwirte aus Lenningen-Schopfloch im Landkreis Esslingen mähten dieses Frühjahr in Teilbereichen die Wiesen nicht. Dies dient dem Schutz der in Baden-Württemberg stark gefährdeten Wanstschrecke. Das Landratsamt Esslingen unterstützt die Landwirte finanziell mit Naturschutzmitteln des Landes. Die Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb beauftragte ein Monitoring der sehr selten gewordenen Heuschrecke.

Das Insektensterben in den letzten Jahrzehnten ist inzwischen durch zahlreiche Studien belegt. Die Gründe sind vielfältig, häufig spielt eine intensive landwirtschaftliche Nutzung eine Rolle. Im Fall der Wanstschrecke wirkt sich das Mähen der Wiesen vor Mitte Juli negativ aus. Die zu den größten Heuschrecken Mitteleuropas zählende Art ist nicht flugfähig. Wegen ihrem eindrucksvollen und namensgebenden „Wanst“ bewegt sie sich nur langsam durch die Wiesen und kann dem Mähwerk schlecht ausweichen. In kurzrasigen Wiesen werden die Tiere zudem schnell Beute von Vögeln. Der optimale Lebensraum für die Wanstschrecke sind daher gut wüchsige, sonnige Wiesen, die erst nach Mitte Juli gemäht werden. Dort kann die Entwicklung vom Ei über die Larve zum erwachsenen Tier ungestört ablaufen und es besteht Deckung vor Fressfeinden.

Der bundesweite Verbreitungsschwerpunkt der sowohl in Deutschland als auch in Baden-Württemberg in der Roten Liste als stark gefährdet eingestuften Art befindet sich am Nordrand der Schwäbischen Alb. Aus dem von der UNESCO ausgezeichnetem Biosphärengebiet liegen aktuelle Nachweise von der Schopflocher Alb im Kreis Esslingen und vom ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen im Kreis Reutlingen vor.

Um den weiteren Rückgang der Wanstschrecke zu verhindern, müssen im Verbreitungsgebiet ausreichend Wiesen als Lebensraum erhalten werden, die erst ab Mitte Juli gemäht und kaum gedüngt werden. Alternativ helfen auch stehen gelassene Wiesenstreifen als Rückzugraum, die erst im Folgejahr gemäht werden. Für diese Naturschutzmaßnahme hat die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts Esslingen in diesem Jahr mehrere Landwirte gewinnen können. Durch das Belassen der sogenannten Altgrasstreifen leisten sie einen aktiven Beitrag zum Erhalt der heimischen Artenvielfalt.

Hintergrundinformationen:

Die Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb hat im Jahr 2017 eine Kartierung der Wanstschrecke im Bereich der Schopflocher Alb beauftragt. Auf dieser Grundlage wurden von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Esslingen spezielle Pflegeverträge mit Landwirten abgeschlossen. Der Erfolg der Maßnahmen wird im Rahmen des Monitoringprogramms der Geschäftsstelle des Biosphärengebiets überprüft.

Baden-Württemberg kommt aus bundesweiter Sicht eine besondere Schutzverantwortung zu, da die Art schwerpunktmäßig im Land verbreitet ist.

Die Wanstschrecke ernährt sich von Pflanzen. Sie ist bewegungsscheu und bleibt bei Gefahr ruhig sitzen. Ihr lautes Zirpen ist bis zu 50 Meter weit zu hören. Wanstschrecken überleben den Winter im Ei-Stadium. Im Frühjahr schlüpfen dann die kleinen Larven, die schon so aussehen wie ihre Eltern, nur sind sie deutlich kleiner. Sie fressen viel und häuten sich mehrmals, bis sie im Juni ausgewachsen und geschlechtsreif sind. Die erwachsenen Tiere sterben nach der Eiablage im Spätsommer.

 

Hinweis für die Redaktionen:

Für Fragen zu dieser Pressemitteilung stehen Ihnen Herr Roland Heidelberg von der Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb, Telefon 07381/932938-14, Frau Katrin Rochner, Pressesprecherin, Regierungspräsidium Tübingen, Telefon 07071/757-3131, oder Andrea Wangner, Pressesprecherin Landratsamt Esslingen, Telefon 0711/3902-43832 gerne zur Verfügung.