Blühende Wiesen und steinige Äcker prägen das Landschaftsbild im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Dazwischen säumen Hecken und die meist weniger sichtbaren Steinriegel diese landwirtschaftlichen Nutzflächen.
Den Abschluss an den Hängen und auf den Kuppen bilden die Wacholderheiden, die teils streng geschützten Buchen- oder Mischwälder sowie eine einzigartige Streuobstlandschaft, die besonders am nördlichen Rand des Gebietes, dem Albtrauf, ihre Ausprägung findet.
Herausforderungen in der Landnutzung
Seit jeher prägt die Landnutzung die Landschaft maßgeblich. Die Art und Weise, wie Land genutzt wird, hat einen erheblichen Einfluss auf die Lebensräume und den Boden, der wiederum die Grundlage für das Wirtschaften und das Leben auf unserer Erde bildet. Auch im Biosphärengebiet Schwäbische Alb zeigt sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft sowie der Rückgang von Arten und Lebensräumen, was zu einer Veränderung der einzigartigen Landschaft und Ökosysteme führt.
Gemeinsam wird daran gearbeitet, durch innovative Projekte, gezielte Förderungen und einen offenen Kommunikationsprozess die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern. Eine erfolgreiche Umsetzung dieser Ziele setzt ein konstruktives Miteinander, gegenseitiges Verständnis und eine umfassende Bewusstseinsbildung bei allen Beteiligten voraus. Dazu gehören Landwirtinnen und Landwirte, regionale Produzentinnen und Produzenten, Konsumentinnen und Konsumenten sowie Vertreterinnen und Vertreter aus dem Naturschutz, der Politik und den regionalen Verwaltungen, einschließlich der Fachbehörden. Denn nur im Dialog und mit gemeinsamen Visionen, Zielen und Strategien kann man dieses einzigartige Gebiet der Schwäbischen Alb in seiner Charakteristik erhalten und zugleich zukunftsfähig gestalten.
Geschichte der Landnutzung
Bereits im 6. Jahrhundert n. Chr. hielten ackerbauliche Praktiken Einzug in Europa. Der bisher jagende und sammelnde Mensch entwickelte nach und nach ein Dasein in festen Siedlungen mit dauerhaften Tätigkeiten im Bereich Ackerbau, Viehzucht und Handwerk. Die bis dahin bestehenden (Ur-)Wälder und landschaftlichen Strukturen wurden durch die Nutzung stark verändert. So entstand durch das Zusammenspiel der natürlichen Gegebenheiten und den wirtschaftenden Menschen die heutige Kulturlandschaft.
Diese, zunächst sehr extensive, mit einfachsten Mitteln durchgeführte und den Gegebenheiten angepasste Nutzung hatte zur Folge, dass unterschiedliche, oftmals kleinstrukturierte Lebensräume entstanden. Das Ergebnis ist ein hoher Artenreichtum an Pflanzen und Tieren, die sich zu Spezialisten für diese Lebensräume entwickelten. Ein Artenreichtum, der früher selbstverständlich war, heute jedoch bedroht ist und den es zu schützen gilt.
Landnutzung auf der Schwäbischen Alb heute
Beim Spazieren auf den zahlreichen Wanderwegen durch das Biosphärengebiet Schwäbische Alb kann man den vielfältigen landschaftlichen Strukturreichtum noch heute erleben. Ungefähr die Hälfte der Gesamtfläche des Biosphärengebietes wird landwirtschaftlich genutzt, wobei Ackerbau, Grünland und die charakteristischen Streuobstwiesen, die im Frühjahr mit ihrem prächtigen Blütenkleid bezaubern, dominieren. Auf den Wacholderheiden kann man Schafe und Ziegen beim Weiden beobachten, was den traditionellen Charakter der Landschaft unterstreicht.
Klimatische und geologische Bedingungen
Klimatische und geologische Bedingungen
Voraussetzung für die verschiedenen Arten der Landnutzung sind die geologischen und klimatischen Bedingungen, die sich kleinflächig stark unterscheiden können. Aufgrund dieser Gegebenheiten kann die Schwäbische Alb in die vier Teilräume Albvorland, Albtrauf, Kuppenalb und Flächenalb gegliedert werden. Auf flachen Ebenen mit guten Böden kann am besten Ackerwirtschaft betrieben werden, während auf den felsdurchsetzten Steilhängen des Albtraufes Wiesen und Wälder zu finden sind. Dazwischen findet man die charakteristischen Streuobstwiesen.
Magerwiese bei Hayingen © Katrin Ströhle
Typische Ackerkulturen
Typische Ackerkulturen
Im Biosphärengebiet werden neben alten Weizen- und Dinkelsorten, Braugerste und den traditionellen Linsen (Alb-Leisa) seit einigen Jahren wieder Öllein, Buchweizen, Leindotter und Kümmel angebaut. Diese unterschiedlichen Pflanzen bereichern nicht nur das Landschaftsbild über dem Boden, sondern vor allem auch den Boden und die Bodenfruchtbarkeit selbst. Dies ist neben dem Klima und den Pflegemaßnahmen für die Pflanzen die wesentliche Grundlage für eine reiche und gute Ernte.
Dinkelfeld © Biosphärengebiet
Weidelandnutzung
Weidelandnutzung
Eine landschaftliche Besonderheit ist der ehemalige Truppenübungsplatz in Münsingen, auf dem seit über 100 Jahren extensive Wiesen- und Weidelandnutzung stattfindet. Es ist ab dem späten Frühjahr bis Herbst das Revier der Schäferinnen und Schäfer – große Schafherden ziehen über die weiten Weideflächen. Hier lohnt ein Abstecher zu Fuß oder mit dem Fahrrad.
Schafherde auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz © Biosphärengebiet
Regionalvermarktung des Biosphärengebietes
Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb hat es sich zum Ziel gemacht, durch moderne Ideen und Anknüpfung an alte Traditionen eine gute und ausgeglichene Mensch-Umwelt-Beziehung zu fördern. Dies beinhaltet nicht nur den Schutz der Natur, sondern auch eine Nutzung im Rahmen von Leitbildern und Richtlinien zum Wohle des Menschen und der Natur.
Das Biosphärengebiet hat die Aufgabe, die Kulturlandschaft als eine Quelle für regional und nachhaltig erzeugte Produkte zu nutzen und weiterzuentwickeln. Erzeugnisse wie die der Marke ALBGEMACHT können Sie in vielen Supermärkten der Region kaufen, damit einen Beitrag für diese Kulturlandschaft leisten und die Landschaft mit allen Sinnen genießen.
Auf der Produkteliste des Biosphärengebiets können Sie eine weitere Vielzahl regionaler Spezialitäten dieser Landschaft entdecken. Diese gibt es meist auf den Märkten und in den Hofläden zu kaufen. Zusätzlich finden sie sich beispielsweise als Lamm- oder Linsengericht auf den Speisekarten der Biosphärengastgeber wieder.
Bio-Musterregion
Seit 2020 ist das Biosphärengebiet Schwäbische Alb zusätzlich als „Bio-Musterregion für bio-regionale Außer-Haus-Verpflegung“ in Baden-Württemberg anerkannt.
In diesem neuen Projekt liegt der Fokus auf einer regionalen und biologischen Verpflegung in Kantinen, Kitas und Schulen. Alle Informationen zu den Biomusterregionen in Baden-Württemberg und dem Projekt auf der Schwäbischen Alb finden Sie auf der Seite des Biosphärengebietsvereins.
Schlachtgemeinschaft
Aufbau einer Schlachtgemeinschaft im Biosphärengebiet Schwäbische Alb
Für die Wertschöpfung im Biosphärengebiet sind regionale, kleinstrukturierte Schlachtmöglichkeiten besonders für direktvermarktende Landwirtschaftsbetriebe ein sehr wichtiger Baustein. Die Möglichkeiten der Lohnschlachtung und -verarbeitung für Erzeugerbetriebe nehmen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb einer Studie zu Folge jedoch immer weiter ab.
Die Gemeinde Westerheim hat das bislang kommunale Schlachthaus in ein Pachtverhältnis an die neu gegründete „Bäuerliche Schlachtgemeinschaft im Biosphärengebiet Schwäbische Alb e.V.“ übergeben. Diese Schlachtgemeinschaft bietet ihren Mitgliedern Schlachtungen in Westerheim und mit einem Anhänger im Herkunftsbetrieb an.
Kontakt
Kaspar Meyer
Agrarwissenschaften B.Sc., Agrarwissenschaften M.Sc.
Land- und Forstwirtschaft, Regionalvermarktung
Erreichbarkeit
- Mo
- Di
- Mi
- Fr
Adelheid Schnitzler
Diplom-Agraringenieurin
Landwirtschaft, Schäferei, Regionalvermarktung
Erreichbarkeit
- Mo
- Di
- Do
- Fr
- Mi