Schafe werden auf die Schwäbische Alb getrieben Schützen & Entwickeln
Schaftrieb auf der Schwäbischen Alb © Biosphärengebiet

Schäferei

Grasende Schafherden sind von den weiten Wiesenflächen und kargen Böden der Schwäbischen Alb kaum wegzudenken. Seit Jahrhunderten ziehen Schafherden über die Albflächen und haben wesentlich das Landschaftsbild dieser Region geprägt. 

Es sind einzigartige magere Grünlandstandorte entstanden und dabei hat sich eine charakteristische Tier- und Pflanzenwelt entwickelt – eine Besonderheit, die die Schwäbische Alb über Ländergrenzen hinweg bekannt macht und auszeichnet.

Leitgedanken der Schafhaltung im Biosphärengebiet Schwäbische Alb

Die Schäfereien sowie alle nachgelagerten Bereiche der Schafhaltung zu stärken und aufrechtzuerhalten ist eine zentrale Aufgabe im Biosphärengebiet Schwäbische Alb.

Ebenfalls ein wichtiges Anliegen ist es, dem Verlust großer, zusammenhängender Schafweideflächen entgegen zu wirken und für zukünftige Schäfer-Generationen zu sichern. Das Leben und die Arbeit der Schäfer*innen hat sich im Grundsatz über die Jahrhunderte wenig verändert, jedoch ist die Welt um sie herum eine andere geworden. Der Handlungsbedarf bei den Schäfereien ist groß und die Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb arbeitet seit einigen Jahren verstärkt mit den Schäfereien und Flächeneigentümern zusammen, um die traditionelle Wander- und Hüteschäferei zu erhalten und gemeinsam zukunftsfähig zu gestalten.

Auch wenn dem wirtschaftlichen Faktor der Schafhaltung heute nur noch ein geringer Stellenwert zukommt, hat die Wander- und Hüteschafhaltung eine unschätzbare Bedeutung für den Erhalt und die Pflege dieser besonderen Kulturlandschaft und des kulturellen Erbes der vergangenen Jahrhunderte. Das zeigt auch die Anerkennung der Süddeutschen Wander- und Hüteschäferei im Jahr 2020 durch die UNESCO als Immaterielles Kulturerbe.

Schafe

Schafherde © Marc Schultheiss

Ein Schäfer ist mit seiner Herde auf einem Weg unterwegs
Schäfer mit Herde © Cristina – stock.adobe.com

Geschichte der Schäferei

Im frühen Mittelalter wurden Schafe und Ziegen vornehmlich einzeln oder in nur kleinen Gruppen auf Höfen gehalten. Grundherren und Herzöge etablierten mit der Zeit Schafhöfe und die Haltung großer Herden, die auf den Weiden der Untertanen grasten. Neben dem Fleisch der Schafe war die Wolle der begehrte Rohstoff der Tiere.

Die zunehmende Bevölkerung und immer größer werdenden Städte ließen die Tuchmacherei florieren und Wolle wurde hoch gehandelt. Die Nachfrage nach Wolle stieg immer weiter an und erreichte Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Danach setzte der Import von Wolle aus Australien und Neuseeland ein, die Nachfrage nahm mehr und mehr ab und ging letztlich um fast 90 % zurück.

Dennoch blieb die Schafhaltung bis heute mit der Schwäbischen Alb tief verwurzelt. Das Biosphärengebiet und die Schwäbische Alb sind in Baden-Württemberg Kerngebiet der Schäferei und die Wiege des Merino-Landschafes – der bis heute typischen Schafrasse Süddeutschlands.

Wurzeln der Schafhaltung - ein Artikel von Dr. Ulrich Jaudas PDF, 205.7 KB

Schafe als Landschaftspfleger

Während früher die Fleisch- und Wollproduktion als Einnahmequelle im Vordergrund standen, dienen die grasenden Herden heute in erster Linie als Landschaftspfleger. Die Schafe fressen junge Baumtriebe, Kräuter und Gräser, meiden jedoch die stacheligen Pflanzen wie z.B. den Wacholderstrauch. Durch den Tritt entstehen offene Stellen im Boden, die die Ansiedlung von Insekten und die Entwicklung lichtliebender Pflanzen fördern. Zudem verteilen die Schafe verschiedenste Samen über den Kot und transportieren Samen zusammen mit Insekten im dichten Wollkleid von Weidefläche zu Weidefläche – auch „Artentaxis“ genannt. Die Arten können sich so gut verbreiten und der Biotopverbund von Weideflächen wird langfristig gefördert.  

Schafe auf der Heide

Schafe auf der Wacholderheide © Biosphärengebiet

Nahaufnahme von Rohwolle direkt vom Schaf
Rohwolle vom Schaf © Biosphärengebiet

Die Landschaftspflege wird durch staatliche Gelder gefördert und stellt für die meisten Betriebe im Biosphärengebiet heutzutage die Haupteinnahmequelle dar. Der Verkauf von Schaf- und Lammfleisch sowie Wolle machen derzeit nur noch einen geringen Anteil des Einkommens der Schäfereien aus.

Um diesem Trend entgegenzuwirken haben sich im Biosphärengebiet Schwäbische Alb Initiativen und Unternehmen formiert, welche Wolle und Fleisch verarbeiten und vermarkten wie z.B. Wollwerk, Flomax, Kräuterlamm, Stotzlamm

Nachhaltig und mehr als regional sind die Produkte der Regionalmarke ALBGEMACHT.

Unter diesem Namen haben sich Landnutzer*innen und verarbeitende Betriebe zusammengeschlossen, um ihre Verbundenheit mit der Kulturlandschaft und den Tieren durch gute Produkte an die Einwohner*innen und Gäste weiterzugeben.

Logo ALBGEMACHT
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Schafhaltende Betriebe

     ~ 15.000

Mutterschafe

Schäferei auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz

Wer in der Hauptsaison von Mai bis Oktober auf der Schwäbischen Alb unterwegs ist, kann die großen Herden bei der Landschaftspflege beobachten. Während dieser Zeit wandern zusätzlich auch aus anderen Regionen wie z.B. dem Neckarraum oder Oberschwaben Schäfer*innen in diese Region ein – so wie es seit Generationen Tradition hat.

Ein besonderer Standort ist dabei der ehemalige Truppenübungsplatz in Münsingen. Aufgrund der militärischen Nutzung hat sich hier seit über 100 Jahren die Schafbeweidung etabliert. Die Grünlandflächen des 6.700 ha großen Geländes werden durch die Schafbeweidung offengehalten und in ihrer Charakteristik bewahrt. 

Schafherde auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz
Schafherde auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz © Biosphärengebiet

Zusammenarbeit

Eine enge Zusammenarbeit besteht neben den lokalen Schäfereien unter anderem mit folgenden Verbänden und Netzwerken:

 

Ansprechpartnerin

Adelheid Schnitzler

Diplom-Agraringenieurin
Landwirtschaft, Schäferei, Regionalvermarktung

Erreichbarkeit
ganztags:
  • Mo
  • Di
  • Do
  • Fr