Detailaufnahme einer Blüte an einem Streuobstbaum
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Streuobstblüte © Johanna Kulessa
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Eine Vielfalt an Lebensräumen

Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb mit seiner Albhochfläche, dem Albtrauf und dem Vorland zeichnet sich durch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft aus. Unterschiedliche geologische Gegebenheiten, variierende klimatische Bedingungen sowie eine weit zurückreichende Form traditioneller Landnutzung sind Gründe für diese Vielfalt.

Unterschiedlichste Lebensräume, von trockenen und warmen Wacholderheiden über blütenbunte Wiesen und ausgedehnte Streuobstgebiete bis hin zu kühlen Hangschluchtwäldern mit markant aufragenden Felsen, wechseln sich auf engem Raum ab.

Offenland

Wacholderheiden & Kalkmagerrasen

Wacholderheiden und Magerrasen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Europas. Hier kommen sowohl seltene und geschützte Pflanzen-, aber auch Vogel- und Insektenarten vor. Diese Lebensräume sind in der Regel nicht von Natur aus waldfrei. Sie sind durch die jahrhundertelange Beweidung überwiegend mit Schafen, aber auch mit Ziegen, Rindern und Pferden entstanden. Diese Bewirtschaftungsform gilt es zu erhalten, um den Fortbestand ihrer Bewohner zu sichern.

Wacholderheiden und Magerrasen weisen eine sehr hohe Vielfalt charakteristischer Tier- und Pflanzenarten, darunter zahlreiche gefährdete Arten, auf. Beispiele sind die Heidelerche und das Braunkehlchen oder Insekten, wie der Gebirgsgrashüpfer, der Kleine Heidegrashüpfer und der Schwarzfleckige Ameisen-Bläuling. Für die Offenhaltung der sehr großen Grünlandflächen kommt v.a. der Schafbeweidung im Biosphärengebiet Schwäbische Alb eine zentrale Rolle zu.

Einige Projekte der Geschäftsstelle haben die Erhaltung und Verbesserung der Lebensräume Wacholderheiden und Magerrasen im Fokus:

 

Eine Schafherde grast auf der Wacholderheide
Schafherde auf der Wacholderheide © Biosphärengebiet

Das Thema Schäferei spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle im Biosphärengebiet Schwäbische Alb.
Mehr Informationen zu den artenreichen Lebensräumen Wacholderheide und Magerrasen finden Sie auf den Seiten des Landesamts für Umwelt Baden-Württemberg.

Eine Wiese mit unterschiedlichen Blumen und Gräsern auf der Schwäbischen Alb
Vielfalt an Blühpflanzen © Katrin Ströhle

Artenreiche Mähwiesen

Vor ca. 1000 Jahren entstanden mit der Einführung der Winterstallhaltung die ersten richtigen Heuwiesen. Auf magerem Standort und bei einer extensiven Nutzung können hier bis zu 50 Pflanzenarten auf 25 m² gezählt werden. Die bunte Vielfalt an Blühpflanzen verschwindet allerdings zunehmend, für viele Tierarten, insbesondere Insekten sind sie dann nicht mehr als Lebensraum geeignet.

Bunt blühende Wiesen bereichern das Landschaftsbild der Schwäbischen Alb und des Albtraufs. Sie sind über Jahrhunderte auf eher mageren Standorten durch die traditionelle ein- oder zweischürige Mahd und wenig Düngung entstanden. Diese artenreichen Wiesen sind daher nicht nur schön anzusehen, sondern haben auch eine kulturhistorische Bedeutung. Neben den vielen dort vorkommenden Pflanzenarten beherbergt dieser Lebensraum auch eine Vielzahl an Insekten, darunter auch seltene und geschützte Insektenarten wie den Großen Feuerfalter oder den Hellen Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling. Den bunten Wiesen Baden-Württembergs der FFH-Richtlinie kommt eine europaweite Bedeutung zu, da sie eine besondere Artenausstattung besitzen und in ihren Ausprägungen besonders vielfältig sind. Leider gibt es durch ihre veränderte Nutzung immer weniger dieser wertvollen Lebensräume. Mit verschieden Projekten versucht das Biosphärengebiet dem Lebensraumverlust entgegen zu wirken.

Streuobstwiesen

Im Albvorland befinden sich große zusammenhängende Streuobstwiesen. Sie präsentieren sich dem Besucher besonders zur Blütezeit im Frühjahr als eine herrliche Augenweide. Bei angepasster Nutzung beherbergen sie bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten. Zudem wirken sie als wertvolles Genreservoir mit rund 3.000 Obstsorten allein in Deutschland. Ihre Nutzung und damit der Fortbestand der Artenvielfalt ist zunehmend unsicher. Ein Ziel des Biosphärengebiets ist daher der Erhalt der Streuobstwiesen, ihre Inwertsetzung und die Förderung einer naturschutzfachlich hochwertigen Pflege. 


Unsere heutigen Streuobstwiesen entstanden im 18. und 19. Jahrhundert als eine Kombination aus Obstgehölzen und einer Unternutzung durch Grün- oder Ackerland. Die Menschen haben sie in schwer zu bewirtschaftenden Standorten wie z.B. Hanglagen angelegt. Das kann man besonders gut am Albtrauf sehen. Streuobstwiesen bieten zahllosen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Dazu gehören Wiesenblumen und Gräser aber auch z.B. Schmetterlinge, Spinnen, Reptilien, Vogelarten und Kleinsäuger wie Fledermäuse. Streuobstbestände sind in den letzten 50 Jahren stark zurückgegangen. Sie werden nicht mehr wie früher genutzt und gepflegt und sind häufig überaltert und brach gefallen. Zur Erhaltung der besonderen Artenvielfalt ist, neben der regelmäßigen Pflege der Baumbestände, auch eine angepasste Nutzung des Unterwuchses durch Mahd oder einer entsprechenden Beweidung notwendig. Wichtig ist auch, dass die Ernte einen Abnehmer findet.

 

Streuobstwiese

Streuobstwiese © Dr. Rüdiger Jooß

 

Wald

Lichte Wälder

Offene, mit kleinen oder größeren Lichtungen durchsetzte Wälder sind in Baden-Württemberg besondere Orte räumlich konzentrierter Artenvielfalt. Die Schwäbische Alb zählt zu den wenigen Naturräumen im Land, in denen sich Restpopulationen der hochgradig gefährdeten Lichtwaldarten erhalten haben. Diese meist nur noch sehr kleinen und bereits stark isolierten Vorkommen sind fast ausnahmslos unmittelbar vom Aussterben bedroht. Das Biosphärengebiet ist bei mehreren Projekten aktiv an einer Verbesserung der Situation beteiligt.

Die sogenannten „Lichtwaldarten“ sind einer der am stärksten gefährdeten Anspruchstypen der heimischen Fauna. Lebensstätten dieser Arten entstehen kaum noch durch natürliche Prozesse. Gleichzeitig sind Waldnutzungen, die für lange Zeiträume regelmäßig neue Habitate der Lichtwaldarten geschaffen haben, heute weitgehend eliminiert (Waldweide, Nieder- und Mittelwald, Streunutzung, schlagweise Waldbewirtschaftung). Ein Großteil der betreffenden Arten steht zwischenzeitlich auf den Roten Listen, viele davon sind stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht (RL 2, RL 1) und bereits in weiten Teilen ihrer früheren Verbreitungsräume verschwunden. Nur wenn es gelingt, die Restvorkommen nachhaltig zu sichern und wieder zu intakten Metapopulationen mit mehreren Teilvorkommen im räumlichen Verbund auszudehnen, kann das endgültige Erlöschen verhindert werden.

Im Biosphärengebiet stehen v.a. die folgenden Arten des Zielartenkonzepts Baden-Württemberg mit landesweit höchster Schutz- und Maßnahmenpriorität im Fokus: Berglaubsänger (Phylloscopus bonellii), Heidelerche (Lullula arborea), Schwarzer Apollofalter (Parnassius mnemosyne), Elegans-Widderchen (Zygaena angelicae elegans), Blauschwarzer Eisvogel (Limenitis reducta), Platterbsen-Widderchen (Zygaena osterodensis), Bergkronwicken-Widderchen (Zygaena fausta suevica). Die Geschäftsstelle des Biosphärengebiet ist mit mehreren Projekten involviert: 

Das Sonnenlicht scheint durch die Blätter der Bäume im Wald
Lichtwald © Dorothea Kampmann

Hang- & Schluchtwälder

Die charakteristischen Hangbuchenwälder entlang des Albtraufs sowie die Hang- & Schluchtwälder haben im internationalen Vergleich einen besonderen Stellenwert. Sie sind eines der zentralen Alleinstellungsmerkmale des Biosphärengebiets Schwäbische Alb aus bundesweiter Sicht. Um diese Wälder zu erhalten, ist ein großer Teil durch die Ausweisung von Kernzonen geschützt. In den kühl-feuchten Schluchtwäldern kommen zahlreiche Pilz- und Moosarten vor.

Auf der Seite der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg sind ausführliche Informationen zum besonderen Lebensraum Hang- & Schluchtwälder zu finden.

Eine Schlucht im Wald mit gefällten Bäumen
Schluchtwald © Elke Schwarz

Sonderstandorte

Ein spitzer Kalkfelsen ragt zwischen den Bäumen empor
Spitzer Felsen im Lautertal © Agentur Maichle Schmitt

Kalkfelsen

Die Albtraufkante ist vielerorts geprägt von auffälligen Kalkfelsen. Als Lebensraum weisen sie extreme Lebensbedingungen auf, da es hier, ohne Bodenauflage, zu starken Temperaturschwankungen kommt. Hier kommen hochspezialisierte und oft seltene Arten vor. Einige seltene Vogelarten nutzen Felsen als Brutplätze, beispielsweise Wanderfalke oder Uhu. Zu naturschutzfachlichen Konflikten kann es kommen, wenn die Felsen als Aussichtspunkt zu stark begangen werden oder Verkehrssicherungsmaßnahmen für im Tal liegende Straßen notwendig sind.   

Im Rahmen eines Modellprojekts wurde ein zwischen Straßenbau-, Naturschutz- und Forstverwaltung abgestimmtes „best-practice-Verfahren“ für eine möglichst naturverträgliche Konzeption, Planung und Durchführung von Felssicherungsmaßnahmen an Straßen entwickelt.
Ausführliche Informationen zum besonderen Lebensraum der Kalkfelsen finden Sie auf der Seite der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg.

Herbstlich gefärbte Weinberge bei Metzingen-Neuhausen

Herbstlich gefärbte Weinberge bei Metzingen-Neuhausen © Reiner Enkelmann

Weinberge

Die Weinberge in den klimatisch günstigen Lagen des Albtraufs sind über Jahrhunderte geschaffen und bewirtschaftet worden. Auf ganz besonderen Standorten, wie z.B. Vulkantuff, werden viele verschiedene Rebsorten angebaut. Neben dem attraktiven Landschaftsbild am Steilhang sind Weinberge vor allem auch wegen ihrer Trockensteinmauern naturschutzfachlich wertvoll. In den unverfugten Mauern finden vor allem wärmeliebende Tiere einen Rückzugsort, wenn sich die Mauersteine in der Sonne bis zu 70°C aufgeheizt haben. Vor allem Eidechsen genießen hier das Sonnenbad. Mit mehreren Projekten unterstützt das Biosphärengebiet den Weinbau sowie die Bewohner der Weinberge.

Ansprechpartner

Fragen zu Untersuchungen und Projekten in den verschiedenen Lebensräumen im Biosphärengebiet?

Dr. Rüdiger Jooß

Diplom-Geograph
Qualitätsmanagement Naturschutz, Landschaftspflege, Artenschutz

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